1997 - Rückblick

Beherrschen die Le Mans Prototypen oder die neuen Gran Turismo 1-Rennwagen die 65. Auflage des 24 Stunden Rennens? Die Antwort lautet: Porsche.

Zunächst kontrollieren die beiden 911 GT1 Evo des Werks das Hochgeschwindigkeitsrennen. Der GT1 weist für 1997 eine verbesserte Aerodynamik, eine neue Vorderachse mit breiterer Spur, ein optimiertes Fahrwerk und ein modifiziertes Motor-Management auf. Thierry Boutsen/Hans-Joachim Stuck und Bob Wollek führen vor Emmanuel Collard/Yannick Dalmas und Ralf Kelleners. Die souveräne Fahrt des Porsche mit Startnummer 25 endet in den Morgenstunden schlagartig, als Bob Wollek auf einem feuchten Randstein das Heck ausbricht und der Wagen eine Mauer touchiert. Porsche Nummer 26 übernimmt die Spitze, bis um 13.36 Uhr ein Öl-Wärmetauscher platzt. Ralf Kelleners entkommt dem brennenden Rennwagen unverletzt.

Jetzt ist die Stunde des Joest-WSC-Spyder gekommen. Teamchef Reinhold Joest hat seinen im Vorjahr gemeinsam mit Porsche zur Rennreife gebrachten, offenen Sportwagen weiter verbessert und wieder genannt. Michele Alboreto, Stefan Johansson sowie Tom Kristensen erweisen sich zusammen mit Joests erstklassigem Team als unschlagbar und holen den Gesamtsieg.

Porsche Kunden gewinnen auch die GT2-Wertung gegen starke Werks-Konkurrenz. Diesmal bringen Jean-Claude Lagniez, Guy Martinolle und Michel Neugarten den 911 GT2 des Schweizer Haberthur-Teams als Erste über den Zielstrich.

Das Langstrecken-Jahr hatte in Daytona gut für die Porsche Kunden begonnen, wo der 911 GT2 Evo des Rohr Racing Teams mit Harald Grohs, Arnd Meier, Andy Pilgrim und Jochen Rohr Rang zehn des Gesamtklassements und den Sieg der GT1-Kategorie gewann. Der 911 GT2 des Roock-Teams mit André Ahrlé, Patrice Goueslard, Claudia Hürtgen und Ralf Kelleners holte bei den GT2 die Trainingsbestzeit und nach 24 Stunden Gesamtrang vier und den Klassensieg.

Sebring: Robert Nearn, Andy Pilgrim und Jochen Rohr im 911 GT2 Evo wiederholen ihren Erfolg von Daytona mit dem erneuten Gewinn bei den GT1, während Franz Konrad, Wido Roessler und Bob Wollek im GT2 die entsprechende Klassenwertung für sich entscheiden.

Unter der Ägide der FIA wird aus der BPR GT-Serie die internationale FIA GT-Meisterschaft. Zum ersten Mal seit 1988 kehrt das Porsche Werksteam in eine Meisterschaft zurück. Das weitgehend liberalisierte Regelwerk öffnet prototypen-ähnlichen Sportwagen die Tür. Zugleich werden die 911 GT1 zunächst per Luftmengen-Begrenzer eingebremst.

Ab dem dritten Lauf in Helsinki sind die Begrenzer wieder auf das Mass von 1996 gewachsen. Während das Werksteam nach einem Testunfall von Yannick Dalmas fehlt, fährt der GT1 des Roock-Teams mit Kelleners/Ortelli auf Platz zwei, während in der GT2-Klasse Ni Amorim, Bruno Eichmann und Claudia Hürtgen den ersten Sieg holen. Beim nächsten Lauf auf dem Nürburgring sowie in Spielberg baut das Trio seine Führung in der Klasse mit einem weiteren Sieg aus, die im Regen von Sebring beim vorletzten Lauf allerdings verloren geht.

Im belgischen Spa fahren Boutsen, Dalmas und Wollek den Werks 911 GT1 auf Platz drei. In Suzuka verfügen Yannick Dalmas, Pedro Lamy und Allan McNish erstmals über ein bei Porsche entwickeltes, sequenzielles Getriebe. Dalmas erobert Startplatz zwei. Im Rennen kostet ein gebrochener Schalthebel einen Top-Platz. Auf dem schnellen Kurs von Mugello können sich Dalmas und Wollek mit Rang drei erneut einen Podiumsplatz sichern. Der elfte und letzte Lauf in Laguna Seca endet mit Platz zwei für Dalmas und Wollek. Hinter dem französischen Duo laufen McNish und Kelleners als Dritte ein. Das Porsche Werksteam beendet das Jahr auf Platz vier der Markenwertung.

In der hart umkämpften amerikanischen GT-Meisterschaft holt das Rohr-Team mit Andy Pilgrim den GTS1-Fahrer- und Markentitel. Teamchef und Fahrer Jochen Rohr vertraut zunächst auf einen 911 GT2, setzt im letzten Saisondrittel dann aber einen 911 GT1 ein. Die GTS2-Klasse geht an Larry Schumacher im 911 Turbo.

In Großbritannien holen Steve O Rourke und Tim Sugden in ihrem 911 GT2 die BRDC GT-Meisterschaft. Patrice Goueslard beherrscht mit fünf Saisonsiegen in einem 911 GT2 des Teams Larbre Compétition die erstmals ausgetragene Französische GT Sprintserie klar und gewinnt den Fahrertitel.

Der Porsche Pirelli Supercup geht an den Niederländer Patrick Huisman, während Routinier Wolfgang Land im Carrera Deutschland nach 1993 zum zweiten Mal den Titel holt.

Der Österreicher Franz Konrad erhält als erfolgreichster Privatfahrer des Jahres den Porsche Cup.