1990 - Rückblick

Porsche startet mit einem vielgliedrigen Sportprogramm in das Jahr. Der Schwerpunkt des Werksengagements soll auf der CART-Serie in den USA liegen. Bei den Sport-Prototypen, wo Porsche-Kunden die Hälfte des WM-Starterfeldes stellen, ist Porsche mit einem Pilot-Team (Joest Racing) präsent. In den USA sind die 962 noch immer stark vertreten. Am 5. Februar wird in Tokio bekanntgegeben: Porsche wird gemeinsam mit dem japanischen Footwork-Konzern, der den britischen Arrows-Rennstall gekauft hat, ab 1991 in der Formel 1 engagiert sein. Die Zusammenarbeit ist auf drei Jahre terminiert. Der Breitensport erhält durch den Carrera Cup Deutschland, der als Nachfolger des 944 Turbo Cup am 1. April in Zolder Premiere feiert, einen neuen Impuls.

CART-Pilot Teo Fabi erhält Verstärkung durch John Andretti, den Neffen des Ex-Formel 1-Weltmeisters Mario.

Porsche hat den CART-Rennwagen, der jetzt die Bezeichnung 90P trägt, völlig überarbeitet.

Ein kompakteres Getriebe, die Platzierung des Turboladers vor dem Motor und die neue Positionierung des Tanks optimieren die Gewichtsverteilung und aerodynamische Effizienz. Der 2,65-Liter-V8 verfügt über modifizierte Zylinderköpfe, Einzeldrosselklappen, ein neu abgestimmtes Einspritzsystem und einen neuen Öltank. Neben einer Mehrleistung von rund 20 PS zeigt der Motor einen günstigeren Drehmomentverlauf und einen weiter verringerten Treibstoff-Konsum.

Ein mit March entwickeltes Kohlefaser-Chassis verbietet die CART-Vereinigung kurz vor Saisonbeginn. Porsche umgibt das Karbon-Chassis daraufhin mit einer Aluminium-Haut, um die Auflagen der CART zu erfüllen. Bei den ersten beiden Rennen startet der Vorjahres-Typ. Der 90P erlebt seine Premiere beim 500-Meilen-Rennen in Indianapolis. Trotz eines Testrückstandes und einiger Kompromisse fährt Andretti die zehntschnellste Trainingszeit. Im Rennen muss der Amerikaner auf Platz neun liegend nach einer Berührung mit der Mauer aufgeben. Fabis Kupplung kollabiert in Runde 162, der Italiener liegt zu diesem Zeitpunkt auf Rang neun. Es wird dem Team nicht gelingen, den Entwicklungsrückstand - vor allem im Bereich der Aerodynamik - im Lauf der 16 Rennen umfassenden Saison aufzuholen. Der dritte Platz in Meadowlands bleibt das beste Ergebnis der ersten Jahreshälfte. Mit dem Schluss der Rennsaison kommt das CART-Engagement von Porsche zu seinem Ende.

Am 6. September 1990 um 17.07 Uhr startet Professor Ferry Porsche in Weissach per Knopfdruck den neuen 12-Zylindermotor mit 3,5 Litern Hubraum für das Porsche Footwork Formel 1-Projekt. Das Triebwerk entstand unter der Leitung von Hans Mezger in Rekordzeit und läuft jetzt zum ersten Mal auf dem Prüfstand. Bereits Mitte Oktober starten in Weissach die Fahrversuche: der 80-Grad-V-Motor mit Mittelabtrieb ist in ein Vorjahres-Arrows-Chassis eingebaut. Im Cockpit sitzt der Deutsche Bernd Schneider. Im Winter stehen Tests mit den Footwork-Piloten Michele Alboreto und Alex Caffi auf dem Programm.

Rund 20 Kunden-Bestellungen aus aller Welt erhält Porsche für einen modifizierten 962 C, der sich unter anderem durch einen um 20% erhöhten Abtrieb auszeichnet. Einige Kundenteams erhalten diesen 962C mit einem 3.164 ccm großen Motor. Das Triebwerk leistet bereits im Renntrimm rund 700 PS und ein deutlich verbessertes Ansprechverhalten.

In Le Mans starten die Porsche Kunden auf der Strecke, deren sechs Kilometer lange Gerade jetzt durch zwei Schikanen unterbrochen wird, gegen die Konkurrenz von 13 japanischen Werkswagen (Mazda, Nissan, Toyota) sowie das Jaguar-Werksteam. Trotzdem hält der Brun 962C mit Walter Brun, Oscar Larrauri und Jesus Pareja bis 14 Minuten vor Rennende den Anschluss an die Spitze - dann rollt der Rennwagen mit einem Motorschaden aus. Es gewinnen zwei Jaguar vor dem Porsche 962C des Alpha-Racing-Teams, dessen Fahrer Tiff Needell, Anthony Reid und David Sears als Dritte auf das Podium klettern.

Porsche empfiehlt, den 962C ab dem Ende der Saison nicht mehr in der WM einzusetzen. Zu deutlich sind die Handikaps, die der Motorsportverband FISA den turbogetriebenen Sportwagen auferlegt. So soll ein 962C ab 1991 leer 1.000 Kilogramm wiegen, die ersten zehn Startplätze sollen für Sportprototypen mit Saugmotoren reserviert sein. Die FISA wird diesen Wert auf 950 Kilogramm korrigieren. In der IMSA, in der japanischen Sportwagen-Meisterschaft und der Interserie bleibt der 962 auch weiter konkurrenzfähig.

Mit dem Carrera Cup macht Porsche den Sprung zum 911 im Markenpokal-Sport. Nach zehn Wertungsläufen mit den 265 PS starken Carrera 2 steht Olaf Manthey als erster Gesamtsieger fest.

Bernd Schneider gewinnt in seiner ersten Porsche Saison den Porsche Cup als erfolgreichster Privatfahrer. Auf dem Weg zu seinem Erfolg sichert er sich mit Joest Racing unter anderem den Gesamtsieg in der FIA-Interserie.