1988 - Rückblick

Porsche ist werksseitig nicht mehr in der Langstrecken-WM vertreten, bringt aber drei 962 C nach Le Mans, die sich unter anderem fünf Werks-Jaguar stellen. Dank einer flacheren Heckpartie, niedrigerer Wasserkühler und veränderter Kühlluft-Öffnungen sind der Luftwiderstand und die Motortemperaturen der Porsche optimiert. Bosch liefert eine neue, noch leistungsfähigere Motorelektronik (MP 1.7). Auf der Hunaudières-Geraden werden die Porsche mit über 390 km/h gemessen. Stuck fährt mit 3:15.64 Minuten die Trainingsbestzeit, seine Durchschnittsgeschwindigkeit beträgt 250 km/h. Seine Teamkollegen Bob Wollek und Mario Andretti stellen die beiden weiteren Werks 962 auf die Startplätze zwei und drei.

Im Rennen können Vern Schuppan, Sarel van der Merwe und Bob Wollek (962-008) in der Nacht die Führung übernehmen, fallen aber um drei Uhr mit einem Motorschaden aus. Jetzt taucht der 962-007 mit John, Mario und Mike Andretti zeitweise an der Spitze auf, wird aber später von einer defekten Benzinleitung und in der Folge Motorproblemen heimgesucht. Derek Bell, Klaus Ludwig und Hans-Joachim Stuck (962-010) liefern sich mit den britischen Sportwagen ein Marathon-Sprintrennen, bis Ludwig eine Boxen-Anweisung zum Tanken ignoriert, den Tank leerfährt und viel Zeit auf dem Weg zu den Boxen verliert. In der Nacht kann das Trio die Spitze zurückerobern. Dann muss wegen eines verstopften Benzinfilters häufig getankt, der Filter schließlich gewechselt werden. Der 962 kommt bei seinem letzten Werkseinsatz in Le Mans als Zweiter über die Zielinie, 2:36.85 Minuten hinter dem siegreichen Jaguar.

In Japan gewinnen trotz der starken Konkurrenz einheimischer Hersteller die "Nova Engineering"-Piloten Hideki Okada und Stanley Dickens auf 962C die Gruppe-C-Meisterschaft. Der sechste Gesamtsieg in Folge für Porsche.

Ein Herzschlag-Finale bringt Porsche in den USA den vierten IMSA GTP Markentitel durch den 962 in vier Jahren. Porsche Werksfahrer Klaus Ludwig sichert den Stuttgartern diesen Erfolg im 13. und letzten Rennen der Saison.

Das Joest-Team holt im deutschen Supercup für Gruppe-C-Rennwagen mit einem 962C die Team-Meisterschaft, während Jochen Dauer - ebenfalls auf 962C - den Gesamtsieg in der Europäischen Interserie sichert.

Das Werksteam absolviert die erste CART Saison der Porsche Geschichte, 1988 ist ein Entwicklungs-, Lern- und Aufbaujahr. Formel 1-Pilot Teo Fabi unterschreibt einen Zweijahres-Vertrag. Fabi fährt den Indy Porsche - seit Beginn der Saison mit einem March-Chassis 88C - beim ersten Rennen des Jahres im Oval von Phoenix auf den siebten Platz. Bei Porsches Indy-500-Debüt qualifiziert sich Fabi für die sechste Startreihe (Platz 17) und liegt auf Rang neun, als er nach einem missglückten Reifenwechsel in der Boxengasse ausscheidet. Nach intensiver Windkanalarbeit sowie nach der Anpassung des ursprünglich nicht für den Porsche Motor gebauten March-Chassis gelingen in der zweiten Saisonhälfte Platzierungen in der vorderen Hälfte des Feldes, in Nazareth verpasst der Porsche mit Rang vier knapp das Podium. Am Ende des Jahres belegt das Porsche Team Rang zehn der Meisterschaft.

Mit neun Siegen bei zehn Rennen sichert sich Roland Asch den zweiten Gesamtsieg im 944 Turbo Cup. Auch beim 944 Turbo Weltcup in Südafrika ist Asch der Schnellste.

Louis Krages, im Motorsport unter dem Pseudonym -John Winter- unterwegs, sammelt in der Sportwagen-Weltmeisterschaft, der Interserie und dem Supercup auf einem Joest Porsche Erfolge und Punkte, die das Werk am Ende des Jahres mit dem Porsche Cup für den erfolgreichsten Privatier 1988 belohnt.