1986 - Rückblick

Derek Bell, Al Holbert und Hans-Joachim Stuck gewinnen in Le Mans auf dem Werks 962C vor Joel Gouhier, Oscar Larrauri und Jesus Pareja im Brun 962C und George Follmer, Kemper Miller sowie John Morton auf einem Joest 956. Bis zur elften Stunde ist der Marathon durch einen atemberaubenden Kampf zwischen den beiden Werks Porsche (Mass, Schuppan, Wollek scheiden später durch einen Unfall aus) und dem Joest 956 von Klaus Ludwig, Paolo Barilla und "John Winter" gekennzeichnet. Im Training hatte der Joest Porsche mit 374 km/h auf der Hunaudieres-Geraden einen neuen Rekord aufgestellt, im Rennen fällt er mit einem Motorschaden aus. Der Erfolg des Werksteams wird durch den tödlichen Unfall des Österreichers Jo Gartner im Kremer 962 überschattet.

Erstmals in der Geschichte von Le Mans startet ein allradgetriebener Rennwagen. Es ist der Porsche 961, den die Franzosen René Metge und Claude Ballot-Lena auf Rang sieben fahren. Diese Rennversion des neuen 959 ist ausgerüstet mit einem 2,8-Liter-Doppelturbo-Motor, gewinnt auf Anhieb die IMSA GTX-Klasse und lässt sämtliche C2-Prototypen hinter sich.

In der Weltmeisterschaft - jetzt Prototypen-WM betitelt - tritt das Werksteam nur bei ausgewählten Rennen an. Die Konkurrenz wächst durch die Teilnahme von Jaguar und Sauber. Nissan, Toyota und Mazda verstärken ebenfalls ihre Aktivitäten. Die FIA führt Sprintrennen (360 Kilometer) ein, die nur zur Fahrer-WM zählen. Daneben bleiben fünf Marathons mit Distanzen von 1.000 Kilometern oder mehr (Silverstone, Le Mans, Nürburgring, Spa, Fuji), bei denen darüber hinaus Punkte zur Team-Meisterschaft vergeben werden. Am Ende eines spannenden Jahres, in dessen Verlauf Jaguar, Sauber-Mercedes und Porsche die Siege teilen, hat die Mannschaft des Schweizer Porsche Teamchefs Walter Brun den Titel gewonnen, während Derek Bell erneut die Fahrerweltmeisterschaft für sich entscheidet. Beim Saisonfinale in Fuji beendet jener 956-117, mit dem Joest zweimal Le Mans gewann, auf stilvolle Weise sein aktives Rennwagen-Leben mit einem Sieg.

Auf der Motorenseite läuft beim WM-Rennen in Monza in den Werks 962 erstmals ein voll wassergekühlter Motor mit drei Litern Hubraum, der durch einen mit dem Block verschweißten Zylinderkopf ohne Kopfdichtung auskommt und in der Le Mans-Ausführung rund 700 PS leistet. Für Sprintrennen liegt die Höchstdrehzahl bei 8.400 U/min, in der Langstreckenversion sind 7.800 U/min zugelassen, geschaltet wird aber in Le Mans bei 7.500 U/min. Ende 1987 fahren die ersten Kundenteams (Brun, Joest, Kremer) diesen Motor, der 1988 zum Standard-Triebwerk wird.

Generell steht bei Porsche in diesem Jahr die Erprobung innovativer Technologien im Vordergrund. So unterzieht das Werksteam im 961 den elektronisch geregelten Allradantrieb des 959 einem Extremtest, genau wie das Porsche Doppel-Kupplungsgetriebe und ein renntaugliches ABS sich im Wettbewerb bewähren müssen.

Der Amerikaner Al Holbert leitet in den USA Porsches motorsportliche Aktivitäten. Rund zehn 962 sind bei jedem Rennen der IMSA-Serie am Start. Am Ende hat sich Al Holbert trotz eines Gewichtshandikaps für die Dauersieger 962 zum fünftenmal den IMSA-Titel gesichert, während Porsche wie im Vorjahr die Herstellerwertung gewinnt.

Kunimitsu Takahashi holt in einem 962 erneut die Japanische Sportwagen-Meisterschaft, den Markentitel verteidigt das Team Nova Advan Alpha für Porsche. Hans-Joachim Stuck gewinnt auf einem 962 mit dem experimentellen PDK-Getriebe den deutschen Super-Cup für Gruppe C-Fahrzeuge, während das Joest Team mit einem 956 in der Teamwertung erfolgreich ist. "John Winter" unterstreicht sein Können mit dem Gesamtsieg in der FIA Interserie Meisterschaft auf seinem 956.

TAG Porsche und McLaren gelingt in der Formel 1 der Hattrick. 850 PS leistet der Porsche Motor jetzt mit 3,4 bar Ladedruck im Rennen, im Zeittraining sind bis zu 4,2 bar möglich. Mit der dritten Motronic-Generation sind bereits Datenaufzeichnungen möglich. Nach dem Titel für Lauda 1984 verteidigt Alain Prost seine Weltmeisterkrone von 1985 erfolgreich. Der Franzose holt die Weltmeisterschaft nach einer dramatischen Saison im letzten Rennen auf dem Stadtkurs von Adelaide, Australien. Porsche und McLaren haben auch 1986 darauf verzichtet, kostspielige Qualifikationsmotoren zu bauen. Der neue maximal zulässige Verbrauch von 195 Litern Treibstoff pro Rennen bringt alle Teams an die Grenze des Machbaren.

Bei der 13.000 Kilometer langen Rallye Paris-Dakar gelingt Porsche mit dem allradgetriebenen, knapp 400 PS starken 959 ein Doppelsieg: René Metge gewinnt vor Jacky Ickx. Projektleiter Roland Kussmaul bringt den dritten 959, der als rasender Service im Einsatz ist, auf Rang sechs an die westafrikanische Küste.

Mit dem 944 Turbo Cup startet Porsche in die erfolgreiche Geschichte der Markenpokale. Seriennahe, technisch identische Porsche auf Einheitsreifen ermöglichen attraktiven, kostenbewussten Motorsport. Der 944 Turbo in Cup-Version leistet - wie sein Serien-Pendant - aus 2,5 Litern Hubraum 250 PS und verfügt über einen geregelten Abgas-Katalysator - ein Novum im Motorsport. Das Cup-Fahrzeug ist gewichtsreduziert und wiegt 1.170 Kilogramm. Rennmäßige Änderungen betreffen vor allem die Kraftübertragung und das Fahrwerk. Die Idee wird angenommen. 39 Turbo nehmen beim ersten Lauf auf dem Nürburgring das Training auf. Joachim Winkelhock schließt die Saison vor Jörg van Ommen und Harald Grohs als Gesamtsieger ab.

Im Rennen um den Porsche Cup sammeln prominente Fahrer in der Sportwagen-WM, in den Gruppe-C-Supercup-Rennen und in der Interserie Punkte. Der Sieger heißt am Ende einer spannenden Saison Klaus Ludwig.