1985 - Rückblick

Der 962 sammelt in den USA bereits seit 1984 Erfolge und kommt jetzt durch das Werksteam auch in Europa und in der Langstrecken-Weltmeisterschaft zum Einsatz. Als 962 C ist der Sportwagen mit einem verbrauchsgünstigen 2,65-Liter-Motor, der mit zwei Turboladern rund 620 PS abgibt, ausgerüstet. Er entpuppt sich sofort als schnell. Am 14. April gewinnen Jacky Ickx und Jochen Mass mit dem Chassis 002 das 1000-Kilometer-Rennen in Mugello: erster WM-Einsatz, erster Sieg. Nach vier weiteren Erfolgen bei zehn Weltmeisterschafts-Läufen hat das Werk die neu ausgeschriebene Langstrecken-Team-Weltmeisterschaft gewonnen. Hans-Joachim Stuck und Derek Bell tragen sich gemeinsam in die Liste der Langstrecken-Fahrerweltmeister ein, während Jacky Ickx und Jochen Mass den Vizetitel erringen können. Beim WM-Lauf in Brands Hatch unterzieht Porsche das neue Porsche Doppel-Kupplungs-Getriebe, das Gangwechsel ohne Zugkraftunterbrechung erlaubt, einem ersten Test im Renntempo, der mit Platz fünf im Ziel erfolgreich verläuft.

Das 24 Stunden Rennen in Le Mans endet mit dem sensationellen Sieg des Joest 956 mit Chassisnummer 117 - es ist derselbe Porsche, der hier auch 1984 nicht zu schlagen war. Louis Krages ("John Winter"), Klaus Ludwig und Paolo Barilla gewinnen in dem brillant vorbereiteten Porsche, der neben einem speziellen Unterboden die Gegner durch seinen niedrigen Verbrauch verblüfft: Nach 24 Stunden stehen für den 956 noch immer 140 Liter Benzin in der Box! Mit diesem zehnten Sieg eines Porsche Sportwagens sind zwei Rekorde verbunden: Nie vorher gewann dasselbe Chassis zweimal. Gleichzeitig verdrängt Porsche den bisherigen Rekordsieger Ferrari von Platz eins der Bestenliste.

Der 956 des britischen Teams GTI Engineering verfügt über ein Honeycomb-Aluminium-Chassis. Die Konstruktion wird von Richard Lloyd, Jonathan Palmer und James Weaver auf den zweiten Rang gefahren. Platz drei geht an den Werks 962C von Derek Bell und Hans-Joachim Stuck, nachdem die Motorelektronik des Porsche am Sonntag neu eingestellt worden war. Jacky Ickx, der sechsfache Le Mans Sieger (vier Siege mit Porsche) verabschiedet sich von dem Marathon-Klassiker mit einem zehnten Platz im Werks 962C. Acht Porsche fahren in die Top Ten.

Porsche US-Sportchef Al Holbert holt mit einem 962 die IMSA GTP Fahrermeisterschaft in den USA, der Markentitel geht an Porsche. Auch in Japan wird der Groundeffect-Sportwagen zum Meistermacher: Kunimitsu Takahashi gewinnt die Sportwagen-Meisterschaft, Porsche kann in Nippon die Krone des Marken-Champions aufsetzen.

Jochen Mass sorgt für einen Hattrick in Deutschland, wo er nach Stefan Bellof und Bob Wollek als dritter Porsche Pilot auf einem 956 die Internationale Deutsche Rennsport-Meisterschaft gewinnt. Unter anderem durch diesen Erfolg im Joest-Porsche sichert der 39-Jährige sich den Gewinn des Porsche Cups als erfolgreichster Privatfahrer des Jahres.

Alain Prost wird mit dem McLaren-TAG Porsche Formel 1-Weltmeister. Sein Team gewinnt zum zweitenmal in Folge die Konstrukteurs-WM. Prosts Saisonbilanz: 16 Starts, 13-mal im Ziel, jedesmal in den Punkten, sechs Siege (von denen einer wegen eines untergewichtigen Autos wieder verlorengeht). Porsche hat den TAG Porsche V6 über den Winter optimiert: KKK lieferte neue, spiegelbildlich gebaute Turbolader, die Auspuffkorrekturen an einer Seite des Triebwerks unnötig machen und für beide Zylinderbänke die optimale Leistungsausbeute gewährleisten (ab Le Castellet). Die Bosch-Motronic trägt zu einem exzellenten Ansprechverhalten, sehr guter Fahrbarkeit und Leistung bei geringem Treibstoffverbrauch bei. Erstmals können die Piloten den Ladedruck aus dem Cockpit regeln. 3,3 bar werden im Rennen gefahren, die Leistung beträgt dann rund 800 PS. Im Zeittraining kann der Ladedruck bis 3,8 bar erhöht werden. Anders als andere Teams kann McLaren den Treibstoffkonsum vor dem Rennen präzise prognostizieren und braucht daher keine Sicherheitsreserve im Tank. Porsche und McLaren verzichten auf spezielle Trainingsmotoren. Der TAG Porsche V6 ist 1985 die beste Kombination von schierer Kraft, Zuverlässigkeit und Sparsamkeit.

Ein erster Versuch, den Hochleistungs-Sportwagen Porsche 959 mit seinem avantgardistischen Allradantrieb bei der Rallye Paris-Dakar einzusetzen, kommt zu einem vorzeitigen Ende. Jacky Ickx und Jochen Mass scheiden nach Unfällen aus. René Metges Motor erleidet nach Steinschlag Ölverlust, der Franzose muss anhalten. Die 959 werden ein Jahr später wieder am Start sein.

Bei allen Erfolgen wird der Porsche Motorsport von zwei tragischen Unfällen überschattet. In Mosport verliert Manfred Winkelhock sein Leben in einem Kremer 962. In Spa-Francorchamps verunglückt Stefan Bellof mit einem Brun 956 tödlich.