1984 - Rückblick

Das Werksteam gewinnt mit dem Typ 956 alle Langstrecken-WM-Läufe, bei denen es startet: Monza, Silverstone, Nürburgring, Mosport, Spa, Fuji, Sandown Park. Stefan Bellof holt sechs Siege und damit die Fahrer-WM, Porsche sichert sich erneut den Marken-Titel. Bellof ist es auch, der die internationale Deutsche Rennsport-Meisterschaft mit einem 956 des Brun-Teams für sich entscheidet, während Henri Pescarolo die Sportwagen-Meisterschaft seines Heimatlandes Frankreich gewinnt. Vern Schuppan kann, wie bereits 1983, die Japanische Gruppe-C-Meisterschaft holen, die für Porsche mit dem Markentitel endet. Alle diese Erfolge gehen auf das Konto des 956.

Bereits im Jahr 1983 kündigte die Motorsportbehörde FIA eine weitere Reduzierung des erlaubten Treibstoff-Verbrauchs in der Gruppe C an. Porsche betrieb entsprechende Entwicklungen und erhöhte die Effizienz seiner Motoren durch die Verwendung einer elektronischen Einspritzung erheblich.

Vor dem 24 Stunden Rennen von Le Mans zieht die FIA die Regelung zurück. Aus Protest gegen dieses Vorgehen bleibt das Werk dem Rennen fern. Porsche Kundenteams machen den Marathon unter sich aus, nachdem sehr schnelle Gegner mit technischen Gebrechen ausgefallen sind. Der Joest Porsche 956 (Chassis 117) mit Startnummer sieben, gefahren von Klaus Ludwig und Henri Pescarolo, übernimmt in der 17. Stunde die Führung und behält sie bis ins Ziel. Sieben weitere 956 fahren in die Top 10.

In den USA ist beim 24 Stunden Rennen von Daytona am 4./5. Februar erstmals der Typ 962 im Einsatz. Mario und Mike Andretti fahren mit dem Chassis 001 die schnellste Trainingsrunde und führen zunächst, bis ein Getriebeschaden Vater und Sohn zurückwirft und der Sportwagen schließlich mit Motorschaden ausfällt. Am 29. April fahren Derek Bell und Al Holbert den ersten Kunden 962 (Chassis 101) in Riverside und werden Zweite. Der 962 ist zunächst für Einsätze in der amerikanischen IMSA Rennserie gebaut. Er unterscheidet sich u.a. durch einen längeren Radstand und einen 2.869-ccm-Motor mit nur einem Turbolader vom 956. Die Pedalerie liegt aus Sicherheitsgründen hinter der Vorderachse. Al Holbert gewinnt auf dem neuen 962 die IMSA-Rennen in Mid Ohio, Watkins Glen, Road America und Pocono.

Das Werk tritt gemeinsam mit dem Jacky-Ickx-Team erstmals bei der 11.000 Kilometer langen Rallye Paris-Dakar an. Drei neu entwickelte, allradgetriebene 911 Carrera 4x4 starten mit Jacky Ickx, René Metge und Projektleiter Roland Kussmaul. Ickx übernimmt im Niger die Führung, verliert sie aber, als er eine Radaufhängung beschädigt. René Metge ist da und gewinnt. Roland Kussmaul hat sich als "fliegender Service" zurückgehalten, fährt aber auf der letzten Etappe Bestzeit. Zum ersten Mal hat ein Sportwagen bei der bis dahin von speziellen Geländefahrzeugen beherrschten Rallye gesiegt.

Langstrecken-Spezialist Henri Pescarolo freut sich nach einem erfolgreichen Jahr bei Joest-Racing über den Porsche Cup.

In der Formel 1 erweist sich die Kombination aus dem bei Porsche entwickelten, gebauten und gewarteten TAG Turbo - made by Porsche und dem McLaren MP 4/2 als schier unschlagbar. Die neuen Porsche Triebwerke zeichnen sich durch eine weiterentwickelte Elektronik und eine sequenzielle Einspritzung aus. Die Fahrbarkeit, die Leistung und der geringe Treibstoffverbrauch des kompakten Porsche Triebwerks stellen die Gegner vor fast unlösbare Aufgaben. Die McLaren-Fahrer Niki Lauda und Alain Prost machen den Kampf um die Weltmeisterschaft dank inzwischen 750 PS aus 1.500 ccm unter sich aus. Lauda schafft fünf Siege und hat am Ende wegen insgesamt besserer Resultate einen halben Punkt mehr auf dem Konto als Prost, der siebenmal als erster das karierte Tuch sieht. Achtmal drehen die McLaren die schnellste Rennrunde: zweimal in der ersten, sechsmal in der zweiten Saisonhälfte. Mit zwölf Siegen bei 16 Rennen stellt McLaren-TAG Porsche einen neuen F1-Rekord auf und gewinnt die Konstrukteurs-WM mit einem bislang nicht da gewesenen Punkte-Vorsprung. 15 Motoren gehen 1984 von Porsche an das britische Team.